Fünf am Meer Familienleben an der Costa del Sol
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Alltag & Wohnen

Der Winter, den niemand erwähnt: kalt, feucht und ungeheizt

Warum der andalusische Winter in der Wohnung härter ist als draußen, was gegen Feuchtigkeit und Schimmel hilft, wie wir heizen und was das kostet.

·8 Min. Lesezeit

Illustration: Heizkörper mit Regentropfen

Unser erster Dezember hier war der Moment, in dem uns klar wurde, dass wir etwas Grundsätzliches nicht verstanden hatten. Draußen achtzehn Grad und Sonne, wir am Küchentisch mit Fleecejacke und kalten Füßen. Ein Freund aus Málaga hat das damals so zusammengefasst: „Der Winter ist hier nicht draußen. Er ist drinnen.“

Warum die Häuser so kalt sind

Gebaut wird an dieser Küste für den Sommer. Das heißt: dicke Wände ohne Dämmung, große Fenster, Fliesen statt Holz, oft Einfachverglasung, selten eine Zentralheizung. Im August ist das großartig — die Wohnung bleibt kühl. Von Dezember bis Februar dreht sich der Effekt um. Die Wände geben nachts alles ab, die Fliesen sind eiskalt, und was du tagsüber aufheizt, ist morgens weg.

Dazu kommt die Luftfeuchtigkeit. Wir liegen am Meer, und im Winter regnet es. Feuchte Luft bei sechzehn Grad fühlt sich deutlich kälter an als trockene Luft bei sechzehn Grad — und sie ist der eigentliche Grund, warum man friert.

Der Entfeuchter war unsere beste Anschaffung

Bevor wir über Heizen geredet haben, haben wir die Luft trocken bekommen. Ein Luftentfeuchter mittlerer Größe, der pro Tag mehrere Liter aus der Luft zieht — im ersten Winter kaum zu glauben, wie viel Wasser da zusammenkommt.

Was das bringt: Die gefühlte Temperatur steigt spürbar, ohne dass du ein Grad heizt. Wäsche trocknet drinnen überhaupt wieder. Und Schimmel hat keine Grundlage mehr. Wir halten die Luftfeuchte im Wohnbereich unter 60 Prozent und haben seitdem keine Flecken mehr an den Außenwänden.

Heizen: was funktioniert

  • Klimaanlage im Heizbetrieb (bomba de calor). Die effizienteste Lösung, wenn ein Gerät vorhanden ist. Sie zieht deutlich weniger Strom als ein Elektroradiator und heizt schnell auf. Nachteil: trockene, laute Luft von oben, und sie heizt den Raum, nicht die Wände.
  • Gasofen mit Flasche. Bei Einheimischen verbreitet, wärmt schnell und günstig. Erzeugt aber Feuchtigkeit — also nur mit Lüften, und nicht im Schlafzimmer.
  • Ölradiator. Punktuell gut, etwa im Kinderzimmer für ein, zwei Stunden vor dem Zubettgehen. Als Dauerheizung zu teuer.
  • Teppiche. Klingt nach nichts, ist der billigste Komfortgewinn, den es gibt. Fliesen unter Kinderfüßen sind der halbe Grund fürs Frieren.

Die Stromrechnung

Strom ist in Spanien teuer, und im Januar heizt man damit. Unsere Rechnung verdoppelt sich im Winter gegenüber dem Frühjahr — das ist bei allen Familien so, die wir kennen. Was hilft:

  • Tarif mit Zeitfenstern prüfen. Strom ist nachts und am Wochenende deutlich günstiger. Wenn Waschmaschine, Spülmaschine und Warmwasserboiler in diese Zeiten wandern, macht das im Monat einen sichtbaren Unterschied.
  • Anschlussleistung prüfen. Ein Teil der Rechnung ist eine Grundgebühr nach vereinbarter Leistung. Viele Wohnungen sind höher angemeldet als nötig. Reduzieren spart jeden Monat, kostet einmalig eine Gebühr.
  • Nicht alles gleichzeitig. Wer Backofen, Wasserkocher, Klimaanlage und Waschmaschine parallel laufen lässt, kennt das Geräusch des Sicherungsautomaten. Bei fünf Personen passiert das schneller als gedacht.
Grüne Berglandschaft im Hinterland der Costa del Sol
Draußen ist der Winter großartig: zwanzig Grad, klare Luft, grüne Berge. Nur das Haus muss man im Griff haben.

Der Alltag im Winter

Wir haben unsere Gewohnheiten umgestellt, und das war effektiver als jedes Gerät. Wir lüften kurz und kräftig, wenn draußen die Sonne scheint, und lassen sonst zu. Wir schließen die Rollläden, sobald es dunkel wird — sie sind eine erstaunlich gute Dämmschicht. Wir haben ein Zimmer, das wirklich warm ist, und dort spielt sich der Abend ab. Und wir sind tagsüber viel draußen, weil es dort schlicht wärmer ist als drinnen.

Das ist übrigens die schönste Seite dieser Jahreszeit: Der Winter an der Costa del Sol ist draußen wunderbar. Zwanzig Grad im Januar, leere Strände, Berge in sattem Grün. Wir wandern in diesen Monaten mehr als im Sommer, und die Kinder sind an Weihnachten im T-Shirt am Meer. Man muss nur das Haus im Griff haben.

Unsere Winterausrüstung

Was bei uns seit dem zweiten Jahr im November aus dem Schrank kommt: der Entfeuchter, zwei Teppiche, dicke Vorhänge für die großen Fenster, Bettdecken, die in Deutschland als Winterdecken durchgehen, Hausschuhe für alle fünf und eine Heizdecke fürs Elternbett. Das ist alles zusammen keine große Investition und macht den Unterschied zwischen „aushalten“ und „wohnen“.

Häufige Fragen

Wird es an der Costa del Sol wirklich kalt?

Draußen selten unter 8 °C nachts. Das Problem ist innen: ungedämmte Wände, Fliesen und hohe Luftfeuchtigkeit machen 15 °C im Wohnzimmer unangenehmer als 15 °C in Deutschland.

Was hilft gegen Schimmel?

Entfeuchter, kurzes Stoßlüften an trockenen Tagen, Möbel von Außenwänden abrücken und im Bad konsequent lüften. Wir halten die Luftfeuchte unter 60 Prozent, dann passiert nichts.

Womit heizen die Einheimischen?

Meist mit der Klimaanlage im Heizbetrieb, dazu punktuell mit Gas- oder Elektroöfen. In alten Häusern gibt es noch die mesa camilla — ein Tisch mit Decke und Wärmequelle darunter. Klingt kurios, funktioniert.

Alles hier ist unsere Erfahrung, kein Rechtsrat. Behörden ändern Regeln, Preise und Formulare laufend — prüf vor jedem Termin die offizielle Seite der zuständigen Stelle.