Fünf am Meer Familienleben an der Costa del Sol
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Alltag & Wohnen

Mieten mit drei Kindern: worauf wir beim zweiten Mal geachtet haben

Langzeitmiete an der Costa del Sol: Vertragsarten, Kaution, Nebenkosten, Urbanización oder Ortskern — und die Checkliste, mit der wir heute jede Besichtigung machen.

·9 Min. Lesezeit

Illustration: Haus mit Schlüssel

Unsere erste Wohnung war ein Fehler mit Meerblick. Groß, hell, im Sommer traumhaft — und ab November so feucht und kalt, dass wir im Wohnzimmer Jacken getragen haben. Die zweite haben wir nach einer Liste ausgesucht, die aus genau diesen Fehlern entstanden ist.

Der Vertrag: larga temporada oder temporada

Das ist die wichtigste Unterscheidung, und sie steht nicht immer deutlich im Inserat.

Larga temporada ist die reguläre Wohnraummiete. Sie fällt unter das spanische Mietrecht, das Mietern einen mehrjährigen Verlängerungsanspruch gibt — bei privaten Vermietern in der Regel fünf Jahre, bei Gesellschaften länger. Das ist der Vertrag, den eine Familie will.

Temporada ist die Saison- oder Zeitmiete: neun Monate, elf Monate, „für den Winter“. Sie ist teurer pro Monat, endet zum vereinbarten Datum und gibt dir keinen Verlängerungsanspruch. Für viele Eigentümer an der Küste ist das attraktiver, weil sie im Sommer teurer an Touristen vermieten können. Für dich heißt es: im Mai Wohnungssuche mit drei Kindern, mitten im Schuljahr.

Was das Wohnen wirklich kostet

Zur Kaltmiete kommen mehrere Posten, die zusammen einen echten Unterschied machen:

  • Fianza — die gesetzliche Kaution, in der Regel eine Monatsmiete. Viele Vermieter verlangen zusätzlich eine Sicherheit von ein bis zwei Monatsmieten.
  • Strom — der größte variable Posten, vor allem im Winter (dazu unser eigener Text) und im August, wenn die Klimaanlage läuft.
  • Wasser — vergleichsweise günstig, wird meist zweimonatlich abgerechnet.
  • Basura — die kommunale Müllgebühr, jährlich oder halbjährlich.
  • Gastos de comunidad — Hausgeld der Anlage. Bei Mietwohnungen meist Vermietersache, aber klären.
  • Internet — Glasfaser ist an der Küste flächendeckend und günstiger als in Deutschland.

Ortskern oder Urbanización?

Das ist die Entscheidung, die den Familienalltag am stärksten prägt.

Im Ort heißt: zu Fuß zur Schule, Nachbarskinder auf der Straße, Bäcker und Apotheke um die Ecke, spanisches Umfeld — und dafür weniger Platz, Straßenlärm und schwierigeres Parken.

In der Urbanización heißt: Pool, Garten, Ruhe, mehr Quadratmeter fürs Geld — und dafür Auto für alles, weniger spontane Kontakte, oft ein internationaleres und damit englischsprachigeres Umfeld.

Wir haben mit Urbanización angefangen und sind in den Ort gezogen. Der Grund war die Sprache: Unsere Kinder haben in der Anlage fast nur mit anderen zugezogenen Kindern gespielt, auf Englisch. Im Ort hat sich das binnen weniger Monate gedreht. Wer nur ein oder zwei Jahre bleibt, für den mag die Anlage die angenehmere Wahl sein. Wer ankommen will, sollte in den Ort.

Unsere Besichtigungs-Checkliste

Wir gehen heute mit dieser Liste in jede Wohnung und fragen alles laut ab:

  1. Feuchtigkeit. Ecken hinter Möbeln, Außenwände, Bad, Fensterlaibungen. Frischer Anstrich an einer einzelnen Wand ist ein Warnsignal.
  2. Heizen. Gibt es überhaupt eine Heizmöglichkeit? Klimaanlage mit Wärmepumpe zählt, ein einzelner Elektroradiator nicht.
  3. Ausrichtung. Wo steht die Sonne im Januar? Handykompass hilft.
  4. Fenster. Doppelverglasung ist an der Küste nicht selbstverständlich. Wer sie hat, spart im Winter und schläft im Sommer.
  5. Fliegengitter. Klingt nebensächlich, ist es nicht — Mücken sind hier von Mai bis Oktober ein Thema, besonders mit kleinen Kindern.
  6. Wasserdruck und Warmwasser. Alle Hähne aufdrehen. Bei fünf Personen morgens ist das keine Kleinigkeit.
  7. Küchengröße. Spanische Küchen sind oft klein. Mit drei Kindern kocht man anders.
  8. Lärm. Einmal abends wiederkommen. Chiringuitos, Bars und Klimaanlagenkompressoren klingen um 22 Uhr anders als um 11 Uhr.
  9. Schulweg. Zu Fuß abgehen, mit Kind, zur Schulzeit.
  10. Internet. Anbieter und Leitung erfragen, wenn jemand von zu Hause arbeitet.

Suchzeit und Verhandeln

Such im Winter. Zwischen Oktober und Februar ist das Angebot an Langzeitmieten am größten, weil die Sommervermietung vorbei ist. Preise sind dann verhandelbar, im Juni praktisch nie.

Verhandeln ist normal und wird erwartet. Was gut funktioniert: längere Bindung anbieten, Zahlungsfähigkeit belegen (Arbeitsvertrag, Kontoauszüge), und persönlich auftreten. Was nicht funktioniert: per Mail um Nachlass bitten. Diese Küste läuft über persönlichen Kontakt, auch beim Mieten.

Was wir heute anders machen

Wir würden wieder zuerst die Schule aussuchen und dann in ihrem Einzugsgebiet mieten. Wir würden die Wohnung im Januar besichtigen, nicht im Juli — im Winter zeigt sich, was ein Haus taugt. Und wir würden die erste Miete bewusst als Zwischenlösung nehmen: sechs bis zwölf Monate, um den Ort kennenzulernen, und danach richtig entscheiden. Genau das haben wir am Ende getan, nur unfreiwillig.

Häufige Fragen

Wann findet man die besten Wohnungen?

Im Winter. Zwischen Oktober und Februar ist das Angebot am größten und die Preise am niedrigsten. Wer im Juni sucht, konkurriert mit dem Tourismus.

Was ist „gastos de comunidad“?

Das Hausgeld der Wohnanlage — Pool, Garten, Aufzug, Reinigung. Bei Mietwohnungen zahlt es meist der Eigentümer, aber schreib rein, wer es trägt. Bei Häusern in Anlagen kann es ein spürbarer Betrag sein.

Braucht man einen Makler?

Nicht zwingend, aber ohne Spanisch und ohne Ortskenntnis ist es mühsam. Prüfe vorher, wer die Provision zahlt — die Regeln dazu haben sich in den letzten Jahren geändert.

Alles hier ist unsere Erfahrung, kein Rechtsrat. Behörden ändern Regeln, Preise und Formulare laufend — prüf vor jedem Termin die offizielle Seite der zuständigen Stelle.