Fünf am Meer Familienleben an der Costa del Sol
DE
Ankommen

NIE, Padrón, TIE: die Reihenfolge, die uns Monate gespart hätte

NIE-Nummer, Empadronamiento und Aufenthaltsdokument an der Costa del Sol — in welcher Reihenfolge wir es gemacht haben, was in die Mappe gehört und wie das mit Kindern abläuft.

·9 Min. Lesezeit

Illustration: Dokumentenstapel mit Ausweis und Behördenstempel

Wir sind mit einem Ordner nach Andalusien gefahren, in dem alles war: Geburtsurkunden, Heiratsurkunde, Impfpässe, Arbeitsverträge, Kontoauszüge. Wir dachten, wir wären vorbereitet. Was uns gefehlt hat, war nicht ein Dokument — es war die Reihenfolge. Fast jede spanische Behörde will etwas, das man nur bei einer anderen Behörde bekommt. Wer in der falschen Reihenfolge losläuft, dreht Runden.

Die drei Dinge, um die sich alles dreht

Für Familien aus der EU sind es im Kern drei Vorgänge, und sie bauen aufeinander auf.

Erstens die NIE. Das ist die spanische Ausländer-Identitätsnummer, eine Zahlen-Buchstaben-Kombination, die dich im Land eindeutig macht. Ohne sie kannst du kein Konto eröffnen, keinen Mietvertrag unterschreiben, kein Auto anmelden, keinen Handyvertrag abschließen. Sie ist keine Aufenthaltserlaubnis, sondern nur eine Nummer — das verwechseln viele.

Zweitens das Empadronamiento, kurz padrón. Das ist die Anmeldung beim Rathaus deines Ortes, vergleichbar mit der deutschen Meldebescheinigung. Der Zettel, den du danach bekommst, heißt volante oder certificado de empadronamiento. Er ist das meistverlangte Dokument in unserem ganzen ersten Jahr gewesen. Schulanmeldung: padrón. Gesundheitskarte: padrón. Bibliotheksausweis für die Große: padrón. Ermäßigter Eintritt im Schwimmbad: padrón.

Drittens der Aufenthalt. EU-Bürger, die länger als drei Monate bleiben, tragen sich ins Ausländerregister ein und bekommen dafür eine Bescheinigung. Nicht-EU-Bürger brauchen stattdessen die TIE-Karte mit Foto und Fingerabdrücken. Für beides musst du belegen, wovon du lebst und dass du krankenversichert bist.

Der eigentliche Engpass heißt cita previa

Fast nichts läuft hier ohne Termin. „Cita previa“ heißt Voranmeldung, und sie ist der Grund, warum aus zwei Wochen vier Monate werden. Die Termine werden je nach Stelle tröpfchenweise freigeschaltet, sind binnen Minuten weg und lassen sich schlecht planen.

Was bei uns geholfen hat:

  • Morgens früh schauen. Neue Slots erscheinen bei vielen Stellen zwischen sieben und neun Uhr.
  • Nachbarorte mitprüfen. Für manche Vorgänge bist du nicht an dein Rathaus gebunden. Ein Termin 30 Kilometer weiter ist besser als drei Wochen warten.
  • Nicht alle fünf gleichzeitig. Wir haben erst die Erwachsenen erledigt und die Kinder in einem zweiten Schwung nachgezogen. Ein Termin für fünf Personen ist schwerer zu bekommen als zwei für zwei.
  • Absagen abfangen. Kurzfristig frei werdende Termine tauchen im Portal wieder auf. Zweimal täglich reinschauen hat uns zwei Wochen gespart.

Was in die Mappe gehört

Wir haben irgendwann eine Standardmappe gepackt und sie zu jedem Termin mitgenommen, egal worum es ging. Sie enthielt: Reisepässe und Personalausweise aller fünf, jeweils in Kopie; Geburtsurkunden der Kinder, international; die Heiratsurkunde; den Mietvertrag; Nachweise über Einkommen oder ausreichende Mittel; den Nachweis der Krankenversicherung; Passfotos in spanischem Format; und ab dem zweiten Monat den padrón.

Zwei Dinge, die wir unterschätzt haben. Erstens: beglaubigte Übersetzungen. Nicht überall verlangt, aber wenn, dann sofort — und dann bitte von einem in Spanien anerkannten vereidigten Übersetzer (traductor jurado). Eine deutsche Beglaubigung hat uns einmal nichts genützt. Zweitens: die Apostille auf Personenstandsurkunden. Die holt man besser noch in Deutschland, aus der Ferne wird es mühsam.

Behördengang mit drei Kindern

Bei manchen Terminen müssen die Kinder persönlich dabei sein, bei anderen nicht. Erkundige dich vorher, sonst stehst du mit drei gelangweilten Mädchen umsonst in der Schlange. Wenn sie mitmüssen: früher Vormittagstermin, gepackte Tasche, ein Elternteil draußen mit den Wartenden. Wir haben uns die Termine geteilt — einer drinnen, einer im Park nebenan. Das klingt banal, hat aber jeden Termin gerettet.

Und: Kinder sind in spanischen Ämtern deutlich willkommener als in deutschen. Uns wurde mehr als einmal angeboten vorzugehen. Das lässt sich nicht einplanen, aber es nimmt dem Ganzen die Schärfe.

Selbst machen oder Gestor?

Ein gestor oder eine gestoría ist ein Verwaltungsdienstleister, den es in Spanien an jeder Ecke gibt und den auch Einheimische selbstverständlich nutzen. Er kennt die Formulare, hat oft eigene Terminkanäle und übernimmt den Papierkram gegen Gebühr.

Unsere Bilanz nach zwei Jahren: NIE, padrón und die Registrierung haben wir selbst gemacht, und das war machbar. Beim Auto-Import und bei der Steueranmeldung haben wir einen Gestor genommen und es keine Sekunde bereut. Faustregel: Alles, was einmal passiert und viele Formulare hat, lohnt sich abzugeben. Alles, was du später ohnehin wieder brauchst, machst du besser einmal selbst — dann weißt du, wie es geht.

Unsere Reihenfolge, falls wir es nochmal machen müssten

  1. NIE für beide Erwachsenen beantragen, Termin so früh wie möglich buchen.
  2. Konto eröffnen, sobald die Nummern da sind.
  3. Mietvertrag unterschreiben — vorher geht es praktisch nicht.
  4. Empadronamiento für alle fünf, gleich mit zwei Ausdrucken des Zettels.
  5. NIE für die Kinder nachziehen.
  6. Aufenthalt registrieren.
  7. Gesundheitssystem und Schule — dafür brauchst du alles von oben.

Vier Monate hat das bei uns gedauert, mit einigen vermeidbaren Umwegen. Zwei Monate wären realistisch gewesen. Und ja: Es wird irgendwann alle. Wir haben inzwischen ein Jahr lang keine Wartenummer mehr gezogen.

Häufige Fragen

Braucht jedes Kind eine eigene NIE?

Ja. Auch die Sechsjährige hat eine eigene Nummer bekommen. Sie taucht später bei der Schulanmeldung, beim Gesundheitssystem und bei jedem Antrag wieder auf.

Geht das ohne Gestor?

Ja, wir haben es selbst gemacht. Ein Gestor spart vor allem Nerven und Terminsuche, nicht unbedingt Zeit. Bei drei Kindern und einem Auto-Import haben wir für einen Teil doch jemanden genommen.

Wie lange dauert der padrón?

Bei uns war die Bescheinigung am selben Tag da. Der Termin davor hat drei Wochen gedauert.

Alles hier ist unsere Erfahrung, kein Rechtsrat. Behörden ändern Regeln, Preise und Formulare laufend — prüf vor jedem Termin die offizielle Seite der zuständigen Stelle.